Am Dienstagabend wurde es voll im Boutiquehotel in Buchholz: ca. 80 Gäste hörten vier spannende und unterhaltsame Vorträge zum Thema „Energiewende umsetzen statt abwürgen“. Sven Giegold, hochrangiger Politiker der Grünen (Staatssekretär a. D im Bundeswirtschaftsministerium und derzeit stellvertretender Bundesvorsitzender der Partei) machte zunächst in seiner einstündigen Rede deutlich, daß die Energiewende kein „nice to have“ der Ampelregierung war, sondern ein vom Verfassungsgericht beschlossener Auftrag auch an diese und die folgenden Bundesregierungen.
Um das Zwischenziel zu erreichen (80 % Strom aus erneuerbaren Quellen in Deutschland bis 2030), muss die Transformation der Stromerzeugung mindestens in demselben Tempo weiterverfolgt werden wie in den letzten vier Jahren. Dafür ist ein weiterer Ausbau von Wind- und Solarkraftwerken zwingend notwendig, ebenso die vermehrte Nutzung von Biogas aus organischen Abfällen. Vor allem die von der Ampelregierung diesbezüglich beschlossenen Gesetze haben den Ausbau beschleunigt, sollen nun aber durch ein neues Gesetzespaket von Habecks Nachfolgerin Katherina Reiche konterkariert werden.
Statt Maßnahmen zum Ausbau der Verteilernetze zu entwickeln, die Einführung intelligenter Stromzähler voranzubringen und eine Koordination der Netze innerhalb Europas zu beschleunigen, werden die derzeitigen Schwachstellen des Systems als Vorwand genutzt, um den Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung zu bremsen. Die entstehende Lücke soll durch den vermehrten Bau von Gaskraftwerken geschlossen werden, angeblich um die Stromkosten für die Verbraucher zu senken. Experten und Unternehmen erwarten das genaue Gegenteil. Es ist zu hoffen, daß das geplante Gesetzespaket in Gänze zurückgezogen wird, da viele Unternehmen und Wirtschaftsfachleute einen negativen Einfluss auf die mittel- und langfristige wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland befürchten. Sven Giegold: „ Wir haben mit unserem Konzept Energiewende 2.0 eine Reihe von Vorschlägen gemacht, wie die vorhandenen Probleme angegangen werden können.“
Denn die Energiewende ist ein Motor für die Wirtschaft. Das wurde deutlich durch die beiden folgenden Präsentationen. Der Handwerksbetrieb „Timm und Flo“ – Profis für Dach, Elektro und Solar aus Buchholz – berichtet: „Immer mehr Haushalte wollen die Vorteile einer Eigenversorgung mit Strom nutzen und investieren in eine Solaranlage, Wärmepumpe und eine Wallbox. Wir legen Wert auf eine gute Beratung und Planung, so können Investitionen aufeinander aufbauen und müssen nicht auf einmal getätigt werden. In Kombination mit Batteriespeichern und intelligenten Stromzählern rechnen sich Investition oft nach wenigen Jahren“. Das bestätigte auch die Sprecherin Liweilan Ma von der Firma Entratek, die u. a. Lösungen für Gewerbebetriebe im Bereich der E-Mobilität anbietet und Expertise in der Planung und Bereitstellung von Energiemanagement-systemen hat. Beide Firmen haben volle Auftragsbücher, wünschen sich aber mehr Kontinuität von der Politik und rechnen mit einem Wachstum ihrer Branche.
Auch der Landkreis und die Gemeinden im Umkreis profitieren von diesem Zukunftsgeschäft, durch Gewerbesteuereinnahmen, Arbeitsplätze vor Ort und eine sichere, dezentrale Stromversorgung, die weniger abhängig von Gas- und Ölimporten wird.
Der letzte Redner Heino Krüger von den Bürger-Solarkraftwerken Rosengarten berichtete von den Erfolgen der Genossenschaft, die im Landkreis seit 2007 bisher 12 PV Anlagen auf öffentlichen Dächern installiert hat. Heino Krüger: „Dem Engagement der Ehrenamtlichen ist zu verdanken, daß seit 2007 etwa 3,6 Millionen Tonnen Gas eingespart wurden, die Stromkosten für die Nutzer (Schulen, Kindergärten, Sportvereine, Verwaltungen) niedrig gehalten wurden und es für die privaten Investierenden in einigen Jahren auch noch eine Rendite gab“. Wer die Genossenschaft durch Mitarbeit oder den Kauf eines Anteils von 250 Euro unterstützen möchte, wende sich an kontakt@rosengartenenergie.de. Auf die Nachfrage aus dem Publikum, warum die Stadt Buchholz diese Möglichkeit bisher nicht genutzt hat, steht noch eine Antwort des Bürgermeisters aus.

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